FACELINKING.com

Finanzen

Medieneinmaleins – Journalistische Doppelmoral

18. Januar 2012 von Redaktion in Finanzen, Kultur mit 6 Kommentare

Zur Wulff-Debatte hat sich schon jeder geäußert (auch die, die so viel von Politik verstehen, wie ich von Quantenphysik). Deswegen will ich auch garnichts mehr zu der Affaire schreiben, jeder normalintelligente Mensch hat sich schon seinen Teil gedacht. Viel mehr möchte ich drauf eingehen, was Journalisten dürfen und was nicht. Und eine Ziffer des Pressekodex (Richtlinie 15) besagt z.B., dass Pressevertreter keine Vergünstigungen annehmen dürfen…

Presserabatte werden trotzdem genutzt und gerne totgeschwiegen; und ein Herr Diekmann erlaubt sich sicherlich hin und wieder auch das, was Wulff vorgeworfen wird. Auch wenn der Pressekodex eine freiwillige Angelegenheit ist, die Tatsache dass Motorjournalisten kostenlose Autos fahren und Reisejournalisten unentgeltlich an den schönsten Ecken der Welt übernachten können, sollte doch zu denken geben. Schließlich ist die freie Presse das Scharnier einer freien Demokratie. Und wenn Politiker bestechlich sind, sollten dann die Kontrolleure nicht entgegenwirken?

Sind finanzielle Anreize für Journalisten ok?

Sind finanzielle Anreize für Journalisten ok?

Aber das bleibt eins der großen medienethischen Probleme: wer kontrolliert die Kontrolleure? Dieser Umstand ist nicht zuletzt in den letzten Krisenjahren deutlich geworden, sondern wird vom Presserat gerne übersehen. Das liegt wiederum daran, dass die einzige Instanz, die in der Lage wäre, die Kontrolleure zu kontrollieren, eben aus diesen besteht.

Ich glaube nicht, dass die Chefredakteure und die Verleger, die im Presserat sitzen, auf diese Art von Vergünstigungen verzichten würden. Bleibt nur noch abzuwarten, wann die Leser auf diese Umstände aufmerksam (gemacht) werden, wenn heute kaum einer den Unterschied zwischen redaktionellem Inhalt und Anzeige erkennt.

Ich bin für mehr Medienaufklärung in Schulen. Schließlich glauben immernoch mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen, scripted reality sei echt. Da wundert’s mich nicht, dass ein Pressetext oder reine Werbung (die zudem auch noch mangelhaft bis garnicht als solche gekennzeichnet werden) nicht von dem redaktionellen Teil unterschieden werden kann – denn das ist viel perfider, als das peinlich überzogene Kaspertheater auf den Privaten.

Artikelbild: berlin-pics / pixelio.de

Tagged , , , ,

Ähnliche Artikel:

Suchen