FACELINKING.com

Sport

Das Phänomen Autotuning

5. Oktober 2012 von Kai Beier in Sport mit 0 Kommentaren

Des Deutschen liebstes Kind ist das Auto. Auto-Enthusiasten pflegen jedes Wochenende das eigene Gefährt und schrauben in ihrer Freizeit an jedem Detail, sei es optischer Natur oder dient der Leistungssteigerung. Gleichgesinnte haben sich in speziellen Gruppen zusammengefunden, die sich meist bestimmten Autohersteller verschrieben haben. Alljährlich finden in diesem Zusammenhang Messen, oder wie es neudeutsch heißt „Conventions“, statt.

Eine dieser Tuningmessen ist die „VW Alarm“. Hier treffen sich bekennende VW-Tuner, die ihr Schmuckstück präsentieren und auch Rennen austragen. So erhalten die Gewinner von Rennen über eine viertel Meile ein Preisgeld; diese Rennen werden auf eigens dafür abgesteckten Strecken ausgetragen. Das nennt sich „Speed Award“ und fordert von allen Fahrern ein Höchstmaß an Konzentration und Reaktionsschnelligkeit.

Diese Rennen stammen von den klassischen amerikanischen Dragraces ab, die meist auf öffentlichen Straßen um den Titel „Local Hero“ ausgetragen wurden. Diese Wettkampfart wurde während des Kalten Krieges von NATO-Truppen nach Europa gebracht. Filme wie „The Fast and The Furious“ und diverse Fortsetzungen machten die Tuningszene als Ganzes salonfähig und bekannt.

Der Traum von Tuning-Begeisterten

Nackte Haut und blankes Blech

Aber ebenfalls abseits von reinen Rennen bieten derartige Veranstaltungen auch dem Laien viel fürs Auge: Exotisch getunte Autos, viel nackte Haut sowie bekannte DJs sorgen für regelrechte Besucheranstürme. Die Zuschauer entscheiden dabei, welches Auto als das am besten getunte einen Preis bekommt. Flügeltüren an handelsüblichen Limousinen, beleuchteter Unterboden und sogenannte Spinners (Felgen mit sich drehendem Aufsatz) – alles, was TÜV-Prüfer in den Wahnsinn treiben würde, ist hier erlaubt und wird prämiert.

Daher ist für die hier ausgestellten Wagen meist die normale Straße tabu: Viel zu tief liegende Karosserien und Schürzen in Übergröße würden auf diesen keine 5 Minuten überstehen. In dieselbe Kerbe schlagen vollkommen in weiß ausgekleidete Innenräume, die selbst von den Besitzern nur mit Überziehern für die Schuhe betreten und mit Handschuhen gefahren werden – das Extrem wird hier zur Normalität.

Wenn man eingefleischte Tuner nach dem finanziellen Aufwand fragt und in diesem Zuge erwähnt, dass für den ausgegebenen Betrag schon ein Sportwagen hätte gekauft werden können, stößt man auf Ablehnung. Schließlich hat für diese Autokünstler der persönliche Ausdruck und die Arbeit einen viel höheren ideellen Wert als es jeder Sportwagen im Fabrikzustand je haben könnte. Der Begriff „automobile Kunst“ ist da nicht mehr zu hoch gegriffen.

Die Essener Motor Show vom 1. bis zum 9.12. dürfte nun für viele Schrauber das nächste große Event sein. Neben den Tunern präsentieren auch die großen Automobilhersteller ihre neuesten Kreationen, auch Motorsport-Teams sind vertreten. Dies alles wird auf ca. 100.000 Quadratmetern präsentiert; 550 Aussteller sind vertreten. Ein Abstecher lohnt also wirklich, auch wenn Sie sich (noch) nicht zu dem Kreis der Tuning-Fans zählen.

Bildquelle: Wikimedia Commns, User: Stefan-Xp, Lizenz: Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Tagged , , , ,

Ähnliche Artikel:

Suchen