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E10 – Ein Beispiel für das Scheitern

10. Oktober 2012 von Kai Beier in Finanzen mit 0 Kommentaren

Eines der größten Ärgernisse für Autofahrer ist und war, natürlich neben den astronomisch hohen Spritpreisen, die Einführung des Biokraftstoffes E10. Schon vor dessen Einführung war eigentlich klar, dass der Großteil der Autofahrer auf ihn verzichten wird – auch wenn der Motor des entsprechenden Autos dafür ausgelegt ist. Unsicherheit und absichtlicher Boykott prägten die Einführung, was zu einem Großteil am Verhalten der Regierung lag: Mangelnde Information und die Kompromisslosigkeit in dieser Sache waren die Gründe dafür.

Was ist E10 überhaupt genau?

E10 ist Superbenzin mit einem erhöhten Anteil an Bio-Sprit. Der normale Kraftstoff besteht zu 5% aus biologischen Anteilen, weshalb dieser auch als E5 bezeichnet werden kann. Dieser geringe Anteil an Ethanol ist ungefährlich für alle handelsüblichen Motoren, ganz im Gegensatz zu E10. Der hierin doppelt so große Anteil an Ethanol kann vor allem aus Aluminium bestehende Komponenten des Kraftstoffsystems angreifen und zu Korrosion führen.

Das Ethanol hierfür stammt zum größten Teil aus Brasilien, der Rohstoff, aus dem es gewonnen wird ist Zuckerrohr. Die damit verbundene Rodung des Regenwaldes, um die Zuckerrohrfelder zu schaffen, ist ein großer Kritikpunkt der angeblich so guten Ökobilanz von E10.

Die vorab zugesicherte Preisdifferenz zwischen E5 und E10 wurde anders realisiert, als vom Gesetzgeber beabsichtigt: Nicht das herkömmliche Benzin wurde billiger und das E10 hielt den gewohnten Preis, sondern E5 wurde teurer. Dies sorgte zu Recht für großen Unmut bei den Autofahrern, die in letzter Zeit sowieso unter immer stärkeren finanziellen Belastungen zu leiden hatten.

Der Griff zur Zapfsäule – für viele Autofahrer Horror

Auswirkungen von E10

Eine geringfügige Verringerung der Motorleistung sowie Mehrverbrauch sind unumstritten. Nach Experten beträgt dieser aber nur 3%, ist also im Alltagsbetreib nicht bemerkbar und liegt im Bereich der produktionstechnischen Streuung der Motorleistung.

Die befürchteten Schäden sind bei der überwiegenden Anzahl der auf unseren Straßen vertreten Fahrzeugen unwahrscheinlich: Nach Angaben der Bundesregierung können 9 von 10 Autos problemlos mit E10 betankt werden; Schäden sind hier keine zu befürchten.

Trotzdem bleibt die Frage nach den zu befürchtenden Schäden durch die Betankung mit E10. Schließlich ist es fraglich, ob die Autohersteller so entstandene Reparaturkosten wirklich übernehmen. Die Ergebnisse diesbezüglicher Studien wurden schließlich immer mit Vorbehalt veröffentlicht. Im Zweifel würde der Autobesitzer auf diesen sprichwörtlich „sitzen bleiben“, weil er mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht eindeutig nachweisen kann, dass die Motorschäden wirklich auf die Betankung mit E10 zurückzuführen sind.

Unsicherheit und Ablehnung bleiben – jede Reaktion der Regierung und Mineralölkonzernen ist zu spät. Im Nachbarland Luxemburg haben die meisten Tankstellen den Verkauf von E10 mittlerweile schon eingestellt. Es bleibt abtzuwarten, wie lange Deutschland noch an diesem gescheiterten Projekt mit zweifelhaftem Nutzen festhalten will.

Bildquelle: Flickr.com (c) GuentherHH

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